Véronique: Jugendstil-Badmöbel modern interpretiert – Porträt

Véronique war das Experiment: Jugendstil, aber modern interpretiert – eine Kommode von 1910 mit den typischen geschwungenen Beschlägen, die nicht historisierend restauriert, sondern bewusst reduziert wurde: pflaumengraue Front, die originalen Ornamente nur an den Griffen belassen, klare Platte ohne Schnörkel. Verkauft 2022 nach Stuttgart. Das Porträt bleibt 2026 online, weil es die Antwort auf eine wiederkehrende Leserfrage ist: Wie nimmt man Jugendstil ins heutige Bad mit, ohne ein Museum einzurichten?

Das Stück im Überblick

Eckdaten Wert
Korpus Kommode, Buche, um 1910
Maße (B×T×H) 86 × 48 × 84 cm, mit Becken 90 cm
Front Pflaumengrau seidenmatt, Originalgriffe Jugendstil
Reduziert Zierleisten abgenommen, Platte glatt, Füße original
Verbleib 2022 verkauft, Stuttgart

Das Übersetzungsprinzip: eine Epoche, drei Zitate

Infografik: Jugendstil modern übersetzt – Linie, Ornament, Material als drei Zitate
Modern heißt: die Epoche zitieren, nicht nachspielen – drei Elemente reichen.

Der Jugendstil lebt von drei Dingen: der geschwungenen Linie, dem floralen Ornament und edlen, matten Materialien. Wer alle drei in voller Dosis kombiniert, richtet ein Themenzimmer ein. Véronique behielt die Linie (Beschläge, Füße), reduzierte das Ornament auf die Griffe – und übersetzte das Material in die Gegenwart: seidenmattes Pflaumengrau statt Schellack-Glanz. Ein Möbel, das man als „irgendwie 1910″ liest, ohne sagen zu können, warum – genau das ist die moderne Übersetzung. Wie sich der Ansatz vom originalgetreuen Weg des Schwesterstücks Wildeve unterscheidet, zeigt der direkte Vergleich der beiden Porträts.

Was abnehmen, was lassen: die Reduktionsregel

Zierleisten und aufgesetzte Ornamente lassen sich fast immer zerstörungsfrei abnehmen – sie sind geleimt oder genagelt, nicht eingefräst. Bei Véronique wurden sie nummeriert und in einem Beutel im Möbel deponiert: Reduktion ja, Vernichtung nein. Der nächste Besitzer kann zurückbauen. Untrennbare Elemente (geschwungene Füße, Beschläge) bleiben – sie sind die Zitate. Wer mehr wegnimmt, hat am Ende eine graue Kiste; wer nichts wegnimmt, ein Kostüm.

„Die Kundin sagte: Ich liebe Jugendstil, aber mein Mann sagt, er will nicht in Omas Bad wohnen. Véronique war der Kompromiss – sie sieht die Epoche, er sieht ein modernes Möbel. Beide haben recht.“

Werkstattbuch Wasserheimat, Eintrag zu Véronique

Infografik: historisierend restauriert gegen modern interpretiert – zwei Wege für Jugendstil-Möbel
Beide Wege sind legitim – aber man muss sich vor dem ersten Pinselstrich entscheiden.

Modern interpretieren 2026

Jugendstil-Kommoden mit beschädigter Oberfläche sind die idealen Kandidaten – historisch korrekt restaurieren lohnt bei zerstörtem Schellack oft nicht mehr, modern interpretieren immer. Gedeckte Töne, die die Epoche tragen: Pflaumengrau, Salbei, Rauchblau, Anthrazit mit warmem Unterton. Der Lackaufbau folgt dem Standard aus Rosa Waschkommode, die Beckenmontage der Anleitung aus Geliebtes Erbstück.

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