97 Prozent relative Feuchte direkt an der Wand: Diesen Wert errechnet unser Schimmelrisiko-Rechner für eine Raumecke in einem teilsanierten Bad, wenn drinnen 20 °C und 60 % Luftfeuchte herrschen und es draußen 0 °C hat. Schimmel braucht an der Oberfläche nur gut 80 %. Mit den ersten Frostnächten rutschen viele Bäder genau in diesen Bereich – meist ohne dass ein einziger Tropfen an der Fliese sichtbar wird.
Die Ursache benennt das Umweltbundesamt knapp: „Hauptursache für Schimmelwachstum ist immer zu hohe Feuchtigkeit.“ Die Verbraucherzentrale Niedersachsen rät, alle Wohnräume tagsüber auf mindestens 16 °C zu heizen und zu lüften, sobald die Luftfeuchte längere Zeit über 50 % liegt. Für das Bad reicht das als Faustregel nicht ganz – dort entscheidet die kälteste Stelle der Außenwand.
Warum die Ecke schimmelt und nicht die Raummitte
12,0 °C beträgt der Taupunkt von Luft mit 20 °C und 60 % Feuchte. Kühlt eine Wandstelle bis dorthin ab, fällt Tauwasser aus. Schimmel beginnt aber früher: schon wenn die Luft an der Oberfläche 80 % relative Feuchte erreicht, also einige Grad über dem Taupunkt.
Wie kalt eine Wand innen wird, beschreibt der Temperaturfaktor fRsi. Der Rechner setzt für einen unsanierten Altbau 0,55 an, für eine teilgedämmte Wand 0,70 und für einen Neubau 0,80. An Wärmebrücken – Raumecke, Fenstersturz, auskragende Decke – zieht er weitere 0,08 ab. Die Oberflächentemperatur ergibt sich dann aus Außentemperatur plus fRsi mal Temperaturdifferenz.
Ein Bad mit 20 °C, 0 °C draußen, teilgedämmte Wand: In der Wandmitte sind es rechnerisch 14,0 °C, in der Ecke nur 12,4 °C. Diese 1,6 Kelvin machen bei 50 % Raumluftfeuchte den Unterschied zwischen „Grenzbereich“ (73 % an der Wand) und „Schimmelwachstum möglich“ (81 %).
Rechenbeispiel: sieben Szenarien aus dem Schimmelrisiko-Rechner
Alle Werte haben wir mit dem Schimmelrisiko-Rechner von Wasserheimat ermittelt (Rechengrundlage Stand August 2026). Raumtemperatur jeweils 20 °C, kritische Stelle: Raumecke.
| Wand | Außen | Raumluft | Oberfläche | Feuchte an der Wand | Bewertung |
|---|---|---|---|---|---|
| Altbau, ungedämmt | 0 °C | 60 % | 9,4 °C | 100 % | Tauwasser |
| Altbau, ungedämmt | 0 °C | 50 % | 9,4 °C | 99 % | Schimmel möglich |
| teilgedämmt | 0 °C | 60 % | 12,4 °C | 97 % | Schimmel möglich |
| teilgedämmt | 0 °C | 50 % | 12,4 °C | 81 % | Schimmel möglich |
| teilgedämmt | −5 °C | 50 % | 10,5 °C | 92 % | Schimmel möglich |
| Neubau | 0 °C | 60 % | 14,4 °C | 85 % | Schimmel möglich |
| Neubau | 0 °C | 50 % | 14,4 °C | 71 % | Grenzbereich |
Drei Dinge fallen auf. Erstens: Im ungedämmten Altbau hilft trockene Luft allein kaum – selbst bei 50 % Raumluftfeuchte stehen an der Ecke 99 %. Hier zählt vor allem die Wandtemperatur. Zweitens: Im teilsanierten Bestand bringen zehn Prozentpunkte weniger Raumfeuchte 16 Punkte an der Wand (97 → 81 %). Drittens: Fünf Grad mehr Frost draußen kosten an derselben Ecke 1,9 Kelvin Oberflächentemperatur – die Lage verschärft sich also mit jedem kalten Tag, ohne dass sich im Bad etwas ändert.
Wie warm das Bad sein sollte, lässt sich ebenfalls ablesen: Im ungedämmten Altbau mit Wärmebrücke zeigt der Rechner selbst bei 22 °C und 45 % Feuchte noch Tauwasser, sobald draußen −5 °C herrschen. In solchen Fällen ist die Ursache baulich; mehr Lüften verschiebt das Problem nur. Vermieter oder ein Bausachverständiger sind dann die richtige Adresse.
Was kostet Vorbeugung?
Rund 20 Euro kostet laut Verbraucherzentrale ein Thermo-Hygrometer, mit dem sich Raumtemperatur und Luftfeuchte ablesen lassen. Es ist die günstigste Investition in dieser Liste – und die einzige, die zeigt, ob das Lüften überhaupt wirkt. Für die Wand selbst nennt der Rechner ein Infrarotthermometer an der kältesten Stelle als verlässlichere Alternative zu jeder Schätzung.
Der Rest kostet vor allem Heizenergie und Disziplin. Wie viel Leistung ein Heizkörper im Bad braucht, damit es dort nicht kälter ist als in der Wohnung, berechnet der Badheizkörper-Rechner nach Fläche und Dämmstandard.
So lüften und heizen Sie das Bad im Winter
- Direkt nach dem Duschen querlüften, Fenster ganz auf, 5–10 Minuten. Für die übrigen Räume nennt die Verbraucherzentrale bei Frost 3–5 Minuten Stoßlüften, drei- bis viermal am Tag.
- Heizkörper unter dem Fenster während des Lüftens zudrehen, danach wieder auf.
- Badtür beim Duschen geschlossen halten. Liegen zwischen zwei Räumen mehr als 5 °C, kann feuchte Luft in den kühleren Raum ziehen und dort kondensieren.
- Wasser von Fliesen und Duschwand abziehen. Was im Abfluss landet, muss nicht über die Luft hinaus.
- Im fensterlosen Bad den Ventilator nach dem Duschen 20–30 Minuten nachlaufen lassen. Mehr dazu im Beitrag Bad ohne Fenster: Licht, Lüftung, Pflanzen.
- Schränke an der Außenwand mit 20–30 cm Abstand stellen, Heizkörper nicht verdecken.
Typische Fehler in der Heizperiode
Fenster stundenlang gekippt. Die Laibung kühlt aus, die Luft wird kaum ausgetauscht. Ergebnis: die kälteste Stelle des Raums wird noch kälter.
Bad tagsüber kalt lassen. Wer das Bad nur morgens kurz heizt, startet mit einer kalten Wand ins Duschen. Die Tabelle zeigt, dass gerade die Wandtemperatur über das Risiko entscheidet.
Schimmel überstreichen. Farbe verdeckt den Befall, beseitigt ihn nicht. Bei größeren Flächen empfiehlt das Umweltbundesamt eine Fachfirma; bei gesundheitlichen Beschwerden gehört die Frage ohnehin zum Arzt.
Fahrplan bis Januar
Jetzt, vor den ersten Dauerfrostnächten, lohnt eine Messung: Hygrometer ins Bad, eine Woche lang morgens nach dem Duschen und abends ablesen. Bleibt die Feuchte lange nach dem Duschen deutlich über 50 %, deutet das auf zu wenig Luftaustausch hin. Dann die eigenen Werte in den Rechner eingeben – einmal mit 0 °C, einmal mit −5 °C draußen. Steht bei −5 °C „Schimmelwachstum möglich“, sollten Sie vor Januar nachsteuern: wärmer heizen, Möbel abrücken, Ventilator prüfen.
Foto: Thermo-Hygrometer. Hannes Grobe / Wikimedia Commons, CC BY 3.0, commons.wikimedia.org.