Ein geplatzter Schlauch an der Waschmaschine, eine undichte Leitung in der Wand oder Wasser aus der Wohnung darüber: Leitungswasserschäden gehören zu den häufigsten Schäden in Wohngebäuden. Für Mieter zählt dann zweierlei – schnell das Richtige tun und klären, wer am Ende für Trocknung, Reparatur und beschädigte Möbel aufkommt. Dieser Leitfaden geht Schritt für Schritt durch die ersten Minuten, die Trocknung und die Frage der Versicherung.
Die ersten Minuten: Wasser stoppen, Gefahren ausschließen
- Wasser abdrehen: Eckventil am Gerät oder den Absperrhahn der Wohnung schließen. Wo er sitzt, sollte man wissen, bevor etwas passiert – häufig im Bad, in der Küche unter der Spüle oder am Wasserzähler.
- Strom beachten: Ist Wasser in Steckdosen, Leuchten oder den Sicherungskasten gelaufen, die betroffenen Sicherungen ausschalten und nichts Nasses anfassen.
- Wasser aufnehmen: Stehendes Wasser mit Eimer, Nasssauger oder Handtüchern entfernen, Möbel abrücken und auf Klötze stellen.
- Nachbarn informieren: Kommt das Wasser von oben, sofort klingeln; läuft es nach unten, die Nachbarn darunter warnen.
Dokumentieren und melden
Bevor aufgeräumt wird, sollten Fotos und kurze Videos entstehen: Wasserstand, nasse Wände, Decken und Böden sowie beschädigte Gegenstände. Danach muss der Schaden dem Vermieter oder der Hausverwaltung unverzüglich gemeldet werden – dazu sind Mieter nach § 536c BGB verpflichtet. Wer zu spät meldet und dadurch einen größeren Schaden verursacht, kann selbst haften.
Welche Schritte im Verhältnis zum Vermieter jetzt wichtig sind und wer welche Kosten trägt, fasst mietrecht-ratgeber.de im Beitrag Wasserschaden in der Mietwohnung: wer zahlt was und was Mieter sofort tun müssen zusammen.
Feuchte messen: Wann ist die Wand wirklich trocken?
Oberflächlich trockene Wände können innen noch lange nass sein. Fachfirmen messen die Feuchte deshalb mit kapazitiven oder Widerstandsmessgeräten, bei Estrich häufig zusätzlich mit der CM-Methode, bei der eine Materialprobe entnommen wird. Einfache Feuchtemessgeräte aus dem Baumarkt liefern nur Richtwerte: Sie eignen sich, um Veränderungen über die Zeit zu beobachten, nicht aber als Beweis.
Wie lange dauert die Trocknung?
| Situation | Typische Trocknungsdauer |
|---|---|
| Oberflächlich nasser Boden, schnell aufgewischt | wenige Tage mit Lüften und Heizen |
| Durchfeuchtete Wand (Putz, Mauerwerk) | etwa 2 bis 4 Wochen mit Bautrockner |
| Nasser Estrich oder Dämmschicht unter dem Boden | oft 3 bis 6 Wochen, teils länger (Unterflurtrocknung) |
| Leitungsschaden, der lange unbemerkt war | abhängig von Bauteil und Wassermenge, mehrere Wochen |
Das sind Erfahrungswerte – entscheidend sind Material, Wassermenge und wie lange das Wasser einwirken konnte. Bautrockner laufen oft rund um die Uhr und verbrauchen spürbar Strom. Diese Kosten müssen Mieter in der Regel nicht endgültig selbst tragen; meist werden sie über die Versicherung des Gebäudes erstattet. Deshalb den Zählerstand vor dem Aufstellen und nach dem Abbau der Geräte notieren.
Welche Versicherung zahlt was?
| Versicherung | Wer hat sie? | Was typischerweise gedeckt ist |
|---|---|---|
| Wohngebäudeversicherung | Vermieter bzw. Eigentümer | Schäden am Gebäude: Leitungen, Wände, Estrich, fest verlegte Böden, Trocknung |
| Hausratversicherung | Mieter | Eigene Möbel, Teppiche, Elektrogeräte und Kleidung bei Leitungswasserschäden |
| Privathaftpflicht | Verursacher | Schäden, die jemand anderen schuldhaft zugefügt werden, etwa der Wohnung darunter |
Die Hausratversicherung ersetzt in der Regel den Wiederbeschaffungswert beschädigter Gegenstände. Kaputte Möbel deshalb nicht vorschnell entsorgen, sondern fotografieren und erst nach Rücksprache mit dem Versicherer wegwerfen.
Miete mindern, solange die Wohnung nass ist?
Ist die Wohnung durch den Schaden oder die laufenden Trocknungsgeräte nur eingeschränkt nutzbar, kann die Miete für diesen Zeitraum gemindert sein – laute Trockner im Schlafzimmer, gesperrte Räume oder ein unbenutzbares Bad sind typische Beispiele. Die Minderung tritt kraft Gesetzes ein, setzt aber voraus, dass der Mangel angezeigt wurde. Hat der Mieter den Schaden selbst verursacht, scheidet sie aus. Wie sich die Höhe einschätzen lässt und wie man richtig vorgeht, erklärt der Ratgeber Mietminderung: Voraussetzungen und wie Mieter richtig vorgehen.
Schimmel nach dem Wasserschaden verhindern
- Betroffene Räume mehrmals täglich stoß- oder querlüften, solange kein Bautrockner läuft.
- Bei laufendem Bautrockner Fenster und Türen geschlossen halten – sonst arbeitet das Gerät gegen die Außenluft.
- Möbel mit etwas Abstand zur nassen Wand aufstellen.
- Teppiche und Polster, die länger als ein bis zwei Tage nass waren, kritisch prüfen.
- Erst streichen, tapezieren oder neue Fugen ziehen, wenn eine Messung grünes Licht gibt.
Muss das Bad nach einem größeren Schaden teilweise erneuert werden, lohnt sich ein Blick auf typische Planungsfehler – zusammengefasst im Beitrag Bad sanieren: 10 Fehler, die teuer werden.
Häufige Fragen
Muss ich als Mieter den Handwerker selbst bestellen?
Grundsätzlich ist der Vermieter für die Reparatur zuständig. In echten Notfällen – etwa wenn weiter Wasser austritt und der Vermieter nicht erreichbar ist – dürfen Mieter einen Notdienst rufen. Die Kosten für notwendige Sofortmaßnahmen muss der Vermieter dann in der Regel ersetzen.
Wer zahlt, wenn das Wasser aus der Nachbarwohnung kommt?
Schäden am Gebäude übernimmt meist die Wohngebäudeversicherung des Eigentümers, Schäden an den eigenen Möbeln die eigene Hausratversicherung. Hat der Nachbar den Schaden schuldhaft verursacht, kommt zusätzlich seine Haftpflichtversicherung in Betracht.
Muss ich Trocknungsgeräte in meiner Wohnung dulden?
Ja. Mieter müssen Maßnahmen dulden, die zur Erhaltung der Wohnung erforderlich sind (§ 555a BGB). Termine sollten aber rechtzeitig angekündigt und abgestimmt werden.