Ab Mitte November beschlagen in vielen Bädern nach dem Duschen Spiegel und Fenster, und der Luftentfeuchter landet auf der Einkaufsliste. Rechnen Sie vorher nach: In der Außenecke eines ungedämmten Altbaus müsste das Gerät die Raumluft bei 0 °C draußen auf höchstens 40 % relative Feuchte drücken, damit die Wand schimmelfrei bleibt. Das schafft in einem Bad, in dem täglich geduscht wird, kaum ein Gerät.
Das Umweltbundesamt empfiehlt für Wohnräume 40 bis 60 % Luftfeuchte und für das Bad Stoßlüften während und direkt nach dem Duschen, fünf bis zehn Minuten. Ein Entfeuchter ergänzt das – ersetzen kann er es nur bei warmen Wänden. Prüfen Sie Ihr Bad in vier Schritten, bevor die Heizperiode richtig losgeht.
Schritt 1: Messen Sie eine Woche, bevor Sie kaufen
- Stellen Sie ein Hygrometer auf Brusthöhe an eine Innenwand, nicht direkt neben die Dusche. Einfache Geräte kosten laut ZDF-Ratgeber 10 bis 20 Euro.
- Notieren Sie drei Werte am Tag: vor dem Duschen, direkt danach und eine Stunde nach dem Lüften.
- Messen Sie mit einem Infrarotthermometer die kälteste Stelle: Außenecke, Fenstersturz, Wand hinter dem Spiegelschrank.
Sinkt die Feuchte eine Stunde nach dem Lüften wieder unter 60 %, brauchen Sie kein Gerät. Erst wenn regelmäßig über 70 % stehen bleiben, nennt der ZDF-Ratgeber einen Luftentfeuchter sinnvoll.
Schritt 2: Ermitteln Sie, wie trocken die Luft sein muss
Schimmel wächst ab 80 % Feuchte an der Wandoberfläche, nicht ab einem bestimmten Wert in der Raummitte. Wie weit die Raumluft dafür sinken muss, hängt davon ab, wie kalt die Wand innen wird. Wir haben die Grenzwerte mit unserem Schimmelrisiko-Rechner ermittelt: Bad mit 20 °C, Ziel höchstens 80 % Feuchte an der Oberfläche.
| Wand im Bad | außen +5 °C | außen 0 °C | außen −5 °C |
|---|---|---|---|
| Unsanierter Altbau, Außenecke | 48 % | 40 % | 33 % |
| Unsanierter Altbau, glatte Wand | 52 % | 45 % | 38 % |
| Saniert/teilgedämmt, Außenecke | 56 % | 49 % | 43 % |
| Saniert/teilgedämmt, glatte Wand | 60 % | 55 % | 49 % |
| Neubau, glatte Wand | 66 % | 62 % | 58 % |
Maximale Raumluftfeuchte bei 20 °C, Rechengrundlage des Rechners Stand August 2026; Oberflächentemperatur geschätzt.
Lesen Sie die Tabelle so: Bei −5 °C draußen verträgt die Außenecke im teilgedämmten Bad höchstens 43 %. Stehen dort 60 % – der obere UBA-Richtwert –, zeigt der Rechner 100 % an der Oberfläche, also Tauwasser.
Schritt 3: Entscheiden Sie, ob ein Gerät reicht
- Zielwert 55 % und mehr (Neubau, sanierte glatte Wand): Ein Entfeuchter kann nach dem Lüften den Rest erledigen, vor allem im Bad ohne Fenster.
- Zielwert unter 50 % (Ecken, Altbau, Frostnächte): Hier müssten Sie die Raumluft dauerhaft an der unteren Grenze der UBA-Empfehlung halten – nach jedem Duschen von neuem. Der wirksamere Hebel ist die Wandtemperatur.
Im innenliegenden Bad ohne Fenster gilt eine eigene Regel: Der Abluftventilator sollte nach dem Duschen 20 bis 30 Minuten nachlaufen, nur parallel zum Licht reicht nicht. Ein Entfeuchter ist dort eine Ergänzung für Tage, an denen mehrere Personen hintereinander duschen. Was im fensterlosen Bad sonst hilft, steht in Bad ohne Fenster: Licht, Lüftung, Pflanzen.
Wie viel Wärme das Bad dafür braucht, prüfen Sie mit dem Heizkörper-Rechner. Bleibt der Heizkörper kalt, liegt es oft an Luft im System oder einem klemmenden Ventil – die Ursachen stehen in unserem Beitrag Badheizkörper wird nicht warm.
Schritt 4: Rechnen Sie die Stromkosten
Die meisten Geräte nehmen laut ZDF-Ratgeber 200 bis 400 Watt auf. Haushalte zahlen 2026 im Schnitt 37,3 ct/kWh, so die BDEW-Strompreisanalyse vom Oktober. Unsere Rechnung: drei Stunden Betrieb täglich nach dem Duschen, 150 Heiztage von Oktober bis Februar.
| Leistung | kWh pro Tag | Kosten pro Tag | 150 Tage |
|---|---|---|---|
| 200 W | 0,6 | 22 ct | 33,57 € |
| 300 W | 0,9 | 34 ct | 50,35 € |
| 400 W | 1,2 | 45 ct | 67,14 € |
Der BDEW weist darauf hin, dass gestiegene Großhandelspreise seit dem 1. Oktober 2026 auf Neukundentarife durchschlagen. Setzen Sie Ihren eigenen Arbeitspreis von der Stromrechnung ein.
Typische Fehler im Winter
- Badtür offen: Das Gerät entfeuchtet dann die halbe Wohnung. Das UBA rät, die Badtür beim Lüften geschlossen zu halten.
- Fenster dauerhaft gekippt und Gerät an: Die Laibung kühlt aus, die Heizkosten steigen – gekippte Fenster nennt das UBA ausdrücklich als Fehler.
- Wasser stehen lassen: Ziehen Sie Fliesen und Duschwand nach dem Duschen ab. Jeder Liter, der nicht verdunstet, muss nicht entfeuchtet werden.
- Gerät statt Ursache: Bei dauerhaft feuchten Räumen gilt es laut Öko-Test, „die Ursachen zu beheben“.
- Schrank an der Außenwand: Rücken Sie Möbel mindestens einige Zentimeter ab, sonst bleibt die Wand dahinter kalt.
Checkliste für die nächsten Wochen
- Hygrometer aufstellen, eine Woche Werte notieren.
- Kälteste Stelle messen und im Rechner Ihren Zielwert ablesen.
- Heizkörper vor den ersten Frostnächten entlüften und Thermostat prüfen.
- Abzieher an die Dusche hängen.
- Erst dann über ein Gerät entscheiden – und den Stromtarif einrechnen.
Ist bereits Schimmel zu sehen, lesen Sie unseren Leitfaden Schimmel im Bad im Winter. In der Mietwohnung informieren Sie den Vermieter schriftlich; bei Streit über die Ursache helfen Mieterverein oder ein Sachverständiger.
Foto: Elektrischer Luftentfeuchter. Mike Peel (mikepeel.net) / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0, commons.wikimedia.org.