Ein Kupferrohr 15 × 1 mm fasst pro Meter rund 0,13 Liter Wasser. Gefriert es, wächst das Volumen um etwa 9 Prozent, also um rund 12 Milliliter je Meter, die nirgendwohin können. Deshalb platzt eine Leitung meist nicht beim Einfrieren, sondern beim Auftauen: Dann läuft das Wasser durch den Riss, den das Eis vorher gedrückt hat.
Bis zu 32.000 Frostschäden an Wasserleitungen regulieren die Versicherer laut GDV-Verbraucherportal Die Versicherer pro Jahr. Die Kernbotschaft dort: „Das wirksamste Frostschutzmittel für Wasserrohre ist Wärme.“ Was das im Bad, im Keller und am Gäste-WC konkret heißt, steht unten.
Wo Leitungen zuerst einfrieren
Wasser gefriert bei 0 °C. Gefährlich wird es nicht in der ersten Frostnacht, sondern wenn ein Raum über mehrere Tage auskühlt. Der GDV nennt als Risikozonen selten genutzte Gästezimmer, Keller, Abstellräume, Gäste-WC, Räume mit undichten Fenstern und leerstehende Wohnungen.
| Stelle | Warum gefährdet | Was Sie tun |
|---|---|---|
| Gäste-WC an der Außenwand | Heizkörper oft zu, Spülkasten und Zuleitung in der kalten Wand | Thermostat auf ❄/Stufe 1 lassen, nie ganz zu |
| Kellerleitung vor dem Wasserzähler | Kellerfenster gekippt, kein Heizkörper | Fenster schließen, Rohr dämmen |
| Außenwasserhahn | Leitung führt durch die Fassade | Innen absperren, entleeren, Hahn offen lassen |
| Vorwandinstallation im Dachgeschoss | Abseite ungedämmt, Rohre im Kaltbereich | Dämmschalen, Abseite prüfen |
| Ferienwohnung, leeres Haus | Heizung abgesenkt oder aus | Leitungen entleeren oder durchgehend temperieren |
Den Außenhahn haben wir in einer eigenen Anleitung durchgerechnet: Außenwasserhahn vor dem Frost abstellen und entleeren.
Leitung eingefroren: so tauen Sie richtig auf
Kein Wasser am Hahn, obwohl der Nachbar welches hat? Dann sitzt der Pfropfen meist auf den letzten Metern vor der Zapfstelle. Gehen Sie in dieser Reihenfolge vor:
- Haupthahn schließen. Ist das Rohr schon gerissen, flutet es beim Auftauen sonst den Raum.
- Den betroffenen Hahn öffnen, damit Schmelzwasser und Druck entweichen können.
- Die Leitung suchen: Kälteste Stelle, oft dort, wo das Rohr durch Außenwand oder Kellerdecke läuft.
- Von der Zapfstelle her Richtung Eis erwärmen, mit Föhn, Heizlüfter oder heißen Tüchern. Nie von der Mitte des Pfropfens aus.
- Haupthahn langsam einen Spalt öffnen und auf Tropfen, Flecken oder Zischen an der Leitung achten.
- Ist das Rohr in der Wand verbaut oder dicht? Dann sofort zum Installateur, denn nachträgliche Feuchte in der Wand fällt oft erst Wochen später auf.
Typischer Fehler: Lötlampe oder Heißluftpistole an Kupfer- und Kunststoffrohren. Offene Flamme kann Lötstellen lösen und Dämmung oder Holz in der Wand entzünden. Kunststoff- und Verbundrohre vertragen punktuelle Hitze noch schlechter.
Wer zahlt den Schaden?
2022 zahlten die Wohngebäudeversicherer laut GDV 3,8 Milliarden Euro für 1,1 Millionen Leitungswasserschäden, im Mittel also rund 3.500 Euro je Fall. Grob lässt sich der Schaden so aufteilen:
- Wohngebäudeversicherung: das Gebäude samt fest Eingebautem, also Rohre, Sanitärinstallation, Zentralheizung, Einbauküche.
- Hausratversicherung: bewegliche Dinge wie Möbel, Teppiche, Elektrogeräte.
- Wasserzähler: Er gehört dem Versorger, aber nach § 18 AVBWasserV muss der Kunde ihn vor Frost schützen. Ein eingefrorener Zähler wird deshalb häufig dem Kunden berechnet.
Viele Policen knüpfen den Frostschutz an Pflichten: ungenutzte Räume beheizen und kontrollieren oder Leitungen absperren und entleeren. Wer das versäumt, muss mit Kürzungen rechnen. Die genaue Regel steht in Ihren Bedingungen; im Zweifel fragen Sie Ihren Versicherer, bevor Sie für Wochen verreisen. Mieter melden den Schaden sofort dem Vermieter. Was danach mit nassen Wänden passiert, steht in unserem Beitrag Wasserschaden in der Mietwohnung: trocknen, Feuchte messen, Versicherung.
Bad an der Außenwand: Reicht der Heizkörper?
Der Frostwächter am Thermostatkopf schützt laut GDV nur den Heizkörper selbst, nicht die Zuleitungen in der Wand. Entscheidend ist, ob der Heizkörper den Raum bei Dauerfrost überhaupt warm hält. Wir haben ein typisches Altbau-Gästebad mit dem Rechner für die Badheizkörper-Leistung durchgespielt: 5 m², 2,50 m Deckenhöhe, unsaniert, zwei Außenwände.
| Vorlauf | Tatsächlicher Bedarf | Nötige Datenblattleistung (75/65/20) |
|---|---|---|
| 75 °C, alter Kessel | 760 W | 760 W |
| 45 °C, Wärmepumpe | 760 W | 2.270 W |
Ein 600-Watt-Handtuchheizkörper, der am alten Kessel knapp reichte, liefert nach dem Umstieg auf Wärmepumpe nur noch rund ein Drittel davon: Der Rechner setzt bei 45 °C Vorlauf den Faktor 3,0 an. Das Bad wird dann nicht nur ungemütlich, die Leitungen hinter der Vorwand kühlen in kalten Nächten auch stärker aus. Wenn Sie in diesem Winter auf niedrige Vorlauftemperatur umgestellt haben, prüfen Sie das vor dem ersten Dauerfrost.
Checkliste vor der ersten Dauerfrostnacht
- Wo ist der Haupthahn, lässt er sich drehen? Einmal testen, nicht erst im Notfall.
- Außenleitungen abgesperrt und entleert, Bewässerungscomputer laut GDV bei unter 7 °C abgebaut.
- Kellerfenster zu, Wasserzähler und freiliegende Rohre gedämmt.
- Thermostate in Gäste-WC und Abstellräumen nie ganz zu.
- Vor Reisen: Heizung auf Absenkbetrieb statt aus, oder Leitungen entleeren und das mit dem Versicherer abklären.
- Frostwarnungen des Deutschen Wetterdienstes im Blick behalten.
Gibt die Leitung nach dem Auftauen wieder Wasser, lassen Sie den Hahn ein paar Minuten laufen und kontrollieren Sie am nächsten Tag noch einmal Wände und Decken darunter. Feuchte Flecken, die erst nach 24 Stunden auftauchen, sind kein Zufall.
Foto: Wasser aus einem Rohr über einem zugefrorenen Graben in Kralingen-Crooswijk, Rotterdam. Donald Trung Quoc Don / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0, commons.wikimedia.org.